reporter beim stern

berlin

hallo@rubenrehage.de

PGP: 4096R/FE15F1F5

journalist, journalistenschule, henri-nannen-schule, reporter, redakteur, politik, wirtschaft, gesellschaft, berlin, hamburg,

Kalter Krieg

stern 24/2017

Jeder Krieg, so stellt man sich das vor, hat einen Geruch und einen Klang. Wenn das hier ein Krieg ist, dann riecht er nach Harz und feuchter Erde und klingt meistens nach singenden Vögeln und manchmal macht er Ratatatatat.

..

Rechts Schwenkt, Marsch Marsch!

stern 20/2017 (mit Jan Rosenkranz)

Bevor die IBuK sich auf den Weg macht in dieses braune Nest im Elsass, sitzt sie beim Frühstück mit den Spitzen der Unionsparteien. Die IBuK, die Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt, wie die Verteidigungsministerin im Abkürzungsdschungel Bundeswehr genannt wird, steht seit Tagen im Feuer der Kritik. Einer der CDU-Oberen erinnert daran, dass man das doch alles schon mal erlebt habe. Das. Die Aufregung über rechtsextreme Umtriebe in der Armee, über entwürdigende Rituale, Misshandlung und sexuelle Belästigung. Keine Pauschalkritik, bitte, das seien Einzelfälle. Da bricht es aus einem CDUler heraus: „Genau das hat die katholische Kirche auch immer gesagt.“

..

Oskars letzte Schlacht

stern 13/2017

Er sitzt in der Maske im Fernsehstudio des Saarländischen Rundfunks. Die Frau mit dem Make-up sagt, er solle lieber seine Socken hochziehen, weil man sonst seine weißen Beine sähe. Er tut mechanisch, wie ihm geheißen, verzieht keine Miene, sagt kein Wort. Mag sein, dass er im Kopf schon seine Munition sortiert. Wenn Oskar Lafontaine ein Mikrofon angeheftet kriegt, legt er ja zuverlässig los, wie eine Pointenmaschine, ratatatatat feuert es dann aus ihm heraus. Aber heute Abend? Bleibt er ganz ruhig. Da sitzt ein Elder Statesman im Fernsehstudio. Er hält sich zurück, argumentiert, erklärt. Der große alte Stratege hat einen Plan, wieder mal: Er will seine Linkspartei im Saarland in die Regierung führen, zusammen mit der SPD ein rot-rotes Bündnis schmieden. Er will seinen Genossen von früher, den Sozis, die er in den zurückliegenden knapp 20 Jahren erbittert bekämpft hat, ein Zeichen senden: Er, ihr einstiger Parteivorsitzender, ist am Ende seiner langen, atemberaubenden, unvollendet gebliebenen Karriere zur Versöhnung bereit. Oskar schlägt seine letzte Schlacht.

..

Brüderlich

stern, 03/2017

Mats und Jonas Hummels haben als Kinder gemeinsam angefangen, beim FC Bayern Fußball zu spielen. Die Startbedingungen waren die gleichen, und doch haben sich ihre Karrieren in komplett unterschiedliche Richtungen bewegt. Während Mats, heute 28, im vergangenen Sommer zurück nach München kam, musste Jonas, 26, seine Karriere nach vielen Rückschlägen in der 4. Liga beenden – als Sportinvalide.

An einem Sonntagabend treffen sich die Brüder in der Wohngemeinschaft von Jonas in München zum gemeinsamen Interview, dem ersten überhaupt. Bevor das Gespräch beginnt, werfen Mats und Jonas im Wohnzimmer abwechselnd mit einem winzigen Basketball auf einen winzigen Basketballkorb. Wer verliert, muss später das Abend­essen bezahlen. Man könnte sagen: Die beiden neigen dazu, sich zu messen.

Habt ihr eigentlich mal gegeneinander Fußball gespielt, so ein offizielles Bruder-Duell?

Mats: Ein Mal, aber nur ein Trainingsspiel bei Bayern.

Jonas: A-Jugend gegen B-Jugend. Mats war damals schon Verteidiger, ich war eher in der Offensive. Ich habe eine Flanke bekommen, hundertprozentiges Ding. Mats’ Art, das zu verteidigen: Er hat mich ungefähr 30 Meter weggeschubst.

Kurz danach ist Jonas aussortiert worden beim FC Bayern.

Jonas: Ich war im Training der Letzte auf dem Platz, es hat in Strömen geregnet. Der Trainer ist über den nassen Rasen zu mir gestapft, hat mich umarmt und gesagt: Im Endeffekt weißt du es selber, oder?

..

Hip und völkisch

stern, 50/2016

Und dann geht alles unglaublich schnell. Ein schwarzer Transporter taucht auf, Schritttempo, er fährt direkt vor das gelbe Gebäude am Neuen Tor, Hausnummer 1, Berlin Mitte: die Bundesgeschäftsstelle der Grünen. Es ist Samstagmittag, der Himmel diesiggrau. Plötzlich kommen aus allen Richtungen Jugendliche angelaufen, zwanzig vielleicht, eine einstudierte Choreographie, so sieht das aus, wie ein Überfall. In dem Transporter: nichts als eine Leiter. Wenige Minuten später fährt das Fahrzeug wieder weg und Robert Timm steht mit sechs andere Jungs auf dem Balkon. Pyrotechnik brennt, gelbe Fahnen werden geschwenkt, Timm hat ein Megafon in der Hand, er ruft: „Meine Damen und Herren, die Identitäre Bewegung hat wieder zugeschlagen.“

..

Bock auf Muskeln

Die ZEIT, 49/2016

Eine Geschichte über Nahrungsergänzungsmittel kann man aus zwei Perspektiven erzählen. Da ist die glitzernde Welt der sozialen Netzwerke, voll mit Bildern schöner Körper. In dieser Welt gibt es schöne, weil fitte Unternehmens-Chefs, die schöne Zahlen präsentieren können. Es gibt aber auch diese andere Seite der Geschichte. Da sind Minderjährige, die gestreckte Pulver einnehmen, oft auch gefährliche Pulver, damit ihre Muskeln schneller wachsen und sie so aussehen wie ihre Idole im Internet.

..

Illegal? Scheißegal!

stern, 48/2016

In der Cruiser-Szene geht es viel darum, wer der geilere Typ ist. Und der geilere Typ zu sein bedeutet, das geilere Auto zu haben. Gespräche auf Cruiser-Treffen sind deswegen meistens Angebergespräche. Einer sagt: „Mein Golf hat einen neuen RS4 gefressen, so viel Geld steckt da drin.“ Ein anderer sagt: „Meine Sitze sind vom Carrera GTS. Dreieinhalb Scheine das Stück.“ Lukas Matthias sagt: „Über 500 PS mein Stuhl, der geht echt böse.“ Und alle sagen: Rennen? Damit habe ich nichts zu tun. Und dann redet man und redet, lässt sich Auspuffrohre erklären, Turbolader, Bremskolben, und irgendwann sagen viele: Na ja, hier und da mal ’n Rennen, klar.

..

Die Ohnmächtigen

Der Spiegel, 28/2016 (mit Ann-Kathrin Müller & Ann-Kahtrin Nezik)

Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, sich aufzuregen. Eine Forderung zu stellen. Zum Widerstand gegen die Alten zu trommeln. So wie man es von jemandem erwarten darf, der sich “Zukunftslobbyist” nennt. Doch Wolfgang Gründinger, 32, sagt nur: „Ich will, dass es allen gut geht.“

..

Die Firma

Der Spiegel, 17/2016 (mit Britta Stuff)

Der Mann, den sie den Kö­nig von Bur­la­din­gen nen­nen, sitzt hin­ter ei­nem wei­ßen Schreib­tisch in sei­ner Fir­men­zen­tra­le. Al­les hier wirkt wie aus der Zeit ge­fal­len: der But­ler, die ma­kel­lo­sen Ma­nie­ren und die Tat­sa­che, dass der Kö­nig sein Reich im­mer noch ohne Com­pu­ter führt, nur mit Dik­tier­ge­rät und gol­de­nem Kuli.

..

Mama, Mauer, Sohnemann

BRIGITTE Dossier, 08/2016

Man kann ihre Geschichte nicht erzählen, ohne bei ihrem Sohn anzufangen. Der Sohn heißt Stephan Baurmann und sagt, irgendwann musste es halt schiefgehen, und schiefgehen heißt Polizei oder Tod. Stephan Baurmann sitzt in dem gleichen Raum, in dem er seine Muttter trifft, wenn er sie treffen darf. Er ist ein schüchterner Kerl Anfang 20, der Augenkontakt nicht gerade sucht, wenn er erzählt, wie aus einem Jungen aus der Kleinstadt ein Junge in Häftlingskleidung aus steifer Baumwolle wurde.

..

Er redet sich das Leben von der Seele

taz.am Wochenende, 13.06.2015

Die Sonne schien und das Meer war blau, aber es war November, und in Sick war es dunkel. Sie hatten eigentlich gehofft, dass der Ballast abfällt, wenn er mal rauskommt, dass das Rauschen der Wellen lauter sein würde als die Vergangenheit, die in seinem Kopf angefangen hat zu trommeln. Es gibt ganz selten einen Moment, in dem Sicks Finger nicht fummeln. Kaffee, Kippe, Apfel, Uhr, an irgendwas. Jetzt nicht. Seine Hände liegen nur da. Und dann sagt er einen Satz, auf den Stille folgt: „Es war echt nicht mehr weit.“

..

Oh, der hat Herzprobleme!

Die ZEIT, 37/2015

Das Ende des europäischen Datenschutzes schleicht sich über das Handgelenk in Markus Sommers Leben. Es wiegt 25 Gramm, ist aus schwarzem Gummi und hat 99 Euro gekostet. Es heißt Garmin vivofit und ist ein sogenanntes Fitnessarmband, das Sommers Schritte aufzeichnet, verbrauchte Kalorien, Herzfrequenz und Schlafverhalten – 24 Stunden am Tag. Mehr, sagt der Hersteller des Armbands, passiere nicht. Aber wenn es nach dem Europäischen Rat geht, muss es heißen: noch nicht.

..

Der Fürst und die Enten

Die ZEIT, 15/2016

Es gibt viele Dinge, über die man mit dem Fürsten reden könnte, so geldtechnisch: Aktien, Uhren, Autos. Er ist jetzt Anfang 60, er hat seine Erfahrungen gemacht – ein paar schlechte und sehr viele sehr gute. Das viele Gold, das den Fürsten umgibt, ist sein Zeuge. Aber darum soll es nicht gehen, weder um den vergoldeten Kickertisch noch um das goldene Feuerzeug oder den goldenen Briefbeschwerer. Es soll darum gehen, wie der Fürst sein Geld in Enten investierte und die Enten es ihm zurückzahlten. Doppelt, dreifach und vierfach, mindestens.